VIENNA CONTEMPORARY ‘18

CHARLOTTE KLOBASSA
ZONE 1 curated by Victoria Dejaco

 
 

Charlotte Klobassa, born 1987 in Vienna, studied painting at the University of Applied Arts in Vienna. She lives and works in Vienna and Berlin. 

These are fictitious, poetic journeys Charlotte Klobassa takes you on. A grid familiar from practice books in which one writes and scribbles. Plinths reminiscent of Greek columns and leaning against the wall serve as supports for the paintings. An open hut covered with raffia, which could be an information booth. As soon as one gets involved with places and collects memories, these become a part of life that shape and leave imprints. Comparable to the forays of the artist Charlotte Klobassa through the leaves, on which she finds foreign handwriting, which she makes her own through an intensive examination in the painting process. 

Oversized brushstrokes, melting drops of paint, strong and shy lines. Charlotte Klobassa composes personal and individual images from the handwriting of unknown consumers; they tell of spontaneous actions of strangers, which the artist tracks down, processes, reinterprets and brings to the canvas. Sketching papers for trying out pencils collected from art and office supplies serve the artist as a model for her painting. 

The charm of the unknown, the fantasising about intentions, thoughts and moods, the interpretation of forms, all these components influence the character of the paintings. The painter enters into a role-play which consists both of her preference for tracking down, observing and discovering strangers and on the other hand of choreographic, creative action and the creation of these delightful compositions. The abstract seeming pictures consist in reality of neatly painted elements, of imitated figurative subjects. They owe their lightness precisely to this contrast, which makes the composition expressive yet delicate. Flat, strong elements are broken through and accentuated by fine accents. One recognizes strong, self-confident strokes, thick and strong pencils, but also shy tryouts and doubtful lines. 

From her repertoire of collected slips of paper, the painter assembles fragments and puts them into something immanent to her. In the sense of Claude Levi-Strauss, this method of working and each resulting work of art is a bricolage (of French bricoler tinkering around, fiddling together) of the found material. Her affinity for anonymous authorship gives rise to the process of analysing of the tryouts, which subsequently enables the painter to develop her own vocabulary: new large-format compositions emerge from the chaotic scribbles. Similar to learning a foreign language, the acquisition of foreign handwriting and forms is the starting point for the artistic process. This is also reminiscent of Wassily Kandinsky, who in his book Punkt und Linie zu Fläche (Point and Line to Surface) attempts to analyze the essence of painting and to break it down into its basic elements. 

Enlarging and distorting, Klobassa imitates painterly elements on the canvas, which she selects from innumerable collected templates and sets in a new context. Strokes, lines, numbers, whole words or lettering, as well as comic-like subjects - all forgotten, abandoned scribbles, insignificant impressions. They are scanned, identified, categorised and compiled in order to enter into new relationships with each other. The result is a game with classical painterly genres - on closer inspection, supposed abstraction becomes a portrait or landscape, expressiveness a realistic representationalism, coincidentally a pathetic gesture. 

Alice von Alten 


Charlotte Klobassa, geboren 1987 in Wien, studierte Malerei an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Sie lebt und arbeitet in Wien und Berlin. 

Es sind fiktive, poetische Reisen auf welche Charlotte Klobassa mitnimmt. Ein Raster, das man aus Schulheften kennt, in denen man schreibt und kritzelt. Sockel, die an griechische Säulen erinnern und an die Wand gelehnt als Stütze für die Bilder dienen. Eine mit Bast gedeckte offene Hütte, die ein Infostand sein könnte. Sobald man sich auf Orte einlässt und Erinnerungen sammelt, werden diese ein Teil des Lebens, welcher prägt und formt. Vergleichbar mit den Streifzügen der Künstlerin Charlotte Klobassa durch die Blätter, auf denen sie fremde Handschriften findet, welche sie sich durch eine intensive Auseinandersetzung im Malprozess zu eigen macht. 

Überdimensionierte Pinselstriche, zerlaufende Farbtropfen, starke und schüchterne Linien. Charlotte Klobassa komponiert aus der Handschrift unbekannter Konsumenten persönliche und individuelle Bilder, sie erzählen von spontanen Handlungen Fremder, welche die Künstlerin aufspürt, sie verarbeitet und neu interpretiert auf die Leinwand bringt. Im Kunstfachhandel und Bürobedarf gesammelte Schmierzettel zum Probieren von Stiften dienen der Künstlerin als Vorlage ihrer Malerei. 

All diese Komponenten, der Charme des Unbekannten, das Phantasieren über Intentionen, Gedanken und Stimmungen, und das wiederum Interpretieren von Formen prägen den Charakter der Bilder. Die Malerin tritt in ein Rollenspiel, welches sowohl aus ihrer Vorliebe für das Aufspüren, Beobachten und Entdecken von Fremdem und andererseits aus dem choreographischen, schöpferischen Handeln und dem Erzeugen dieser reizvollen Kompositionen besteht. Die abstrakt anmutenden Bilder, bestehen in Wirklichkeit aus feinsäuberlich nachgemalten Elementen, aus imitierten gegenständlichen Sujets. Ihre Leichtigkeit verdanken sie eben diesem Kontrast, welcher die Komposition ausdrucksstark aber dennoch zart macht. Flächige, kräftige Elemente werden durchbrochen und hervorgehoben durch feine Akzente. Man erkennt starke, selbstbewusste Striche, dicke und kräftige Stifte, aber auch schüchterne Proben und zweifelnde Linien. 

Aus ihrem Repertoire an gesammelten Zetteln fügt die Malerin Bruchstücke dessen zusammen und macht sie zu etwas ihr Immanenten. Im Sinne von Claude Levi-Strauss ist diese Arbeitsweise und jedes dabei entstehende Kunstwerk eine Bricolage (von frz. bricoler herumbasteln, zusammenfummeln) aus dem gefundenen Material. Das Faible für die anonyme Urheberschaft lässt den Prozess des Analysierens der Proben entstehen, welcher es der Malerin ermöglicht ein eigenes Vokabular zu entwickeln, mit Hilfe dessen aus den chaotischen Kritzeleien neue großformatige Kompositionen entstehen. Vergleichbar mit dem Erlernen einer fremden Sprache ist hier das Aneignen fremder Handschriften und Formen der Ausgangspunkt für den künstlerischen Prozess. Dies erinnert auch an Wassily Kandinsky, welcher in seinem Buch Punkt und Linie zu Fläche versucht die Malerei in ihrem Wesen zu analysieren und sie in ihre grundlegenden Elemente zerlegt. 

Vergrößert und verzerrt imitiert Klobassa auf der Leinwand malerische Elemente, die sie aus unzähligen, gesammelten Vorlagen auswählt und in einen neuen Dialog setzt. Striche, Linien, Zahlen, ganze Wörter oder Schriftzüge, sowie comichafte Sujets – allesamt vergessene, liegengelassene Kritzeleien, unbedeutende Abdrücke. Sie werden gescannt, identifiziert, kategorisiert und zusammengetragen um miteinander neue Beziehungen einzugehen. Es entsteht ein Spiel mit klassischen malerischen Genres– vermeintliche Abstraktion wird bei genauerem Hinsehen zu Portrait oder Landschaft, Expressivität zu realistischer Gegenständlichkeit, Zufall zur pathetischen Geste. 

Alice von Alten 

 

VIENNA CONTEMPORARY ‘17

KAY WALKOWIAK
ZONE 1 curated by Marlies Wirth

 
 

In a new space-filling installation, Kay Walkowiak is discussing and renegotiating the intimate network of relationships between subject and art object as a power structure of desire and aversion.

Through the art history of painting, primary materials such as canvas and paint, traditionally covered with meaning, form the elementary components of his sculptural objects, which he conceives as a set display for the viewer and subsequently open up a choreography of references to the canon of forms in minimalist painting.


In einer neuen raumgreifenden Installation stellt Kay Walkowiak das intime Beziehungsgeflecht als Machtgefüge aus Begehren und Aversion zwischen Subjekt und Kunstobjekt zur Diskussion und verhandelt es neu. 

Durch die Kunstgeschichte der Malerei traditionell mit Bedeutung belegte Primärmaterialen wie Leinwand und Farbe bilden die elementaren Bestandteile seiner skulpturalen Objekte, die als gesetzte Displays für die Betrachter eine Choreografie der Referenzen auf den Formenkanon der minimalistischen Malerei eröffnen.