WEATHER OF OUR TIMES
Minda Andrén, Dejan Dukic, Judith Eisler, Carsten Fock, Kallirroi Ioannidou, Li Jun, Charlotte Klobassa, Xenia Lesniewski, Timur Lukas, Claus Hugo Nielsen, Rudolf Polanszki, Titania Seidl, Hong Zeiss, Edin Zenun, Otto Zitko
Curated by Carsten Fock
December 10, 2025 – February 28, 2026
THE WEATHER OF OUR TIMES: Im Buddhismus ist das „Wetter“ eine Metapher für die Flüchtigkeit von Emotionen. Sie kommen und gehen wie Wolken, sind in ständiger Veränderung – und sind nicht das wahre in sich ruhende Selbst. Wenn man von schwierigen Gefühlen überwältigt wird, hilft es sich an den Urzustand des ewig blauen Himmels erinnern, der durch die Wolken nur verdeckt wird. Zugleich ist das durch den Klimawandel veränderte, disruptive Wetter, das Brände, Überschwemmungen, Dürren, geopolitische Katastrophen auslöst, ein Ausdruck für die Instabilität unserer Zeit. Die Schockwellen, die wir durch Kriege, Genozide, den Zerfall der Demokratien, Ungleichheit, den Vormarsch von KI, totalitäre Systemen erleben, die unsere sozialen Infrastrukturen kannibalisieren, lassen auch unsere Vorstellungen von Werten, Identität und Gemeinschaft flüchtig, instabil wie das Wetter erscheinen. Ein Sturm zieht auf und viele Menschen sind oder fühlen sich schutzlos, buchstäblich ohne Schirm.
Kunst, Kultur, die Malerei werden in den sogenannten Culture Wars instrumentalisiert und politisiert, oder passen sich dem herrschenden Marktdruck warenförmig und Instagram-tauglich an – während gleichzeitig von der Kunst Eigensinn, Empathie, Inspiration und demokratische Zugewandtheit erwartet werden. In diesem Klima greift die von Carsten Fock kuratierte Ausstellung The Weather of Our Times Fragen auf, die gerade virulent sind: Wie kann Malerei sich dieser Polarisierung entziehen? Kann sie formal und inhaltlich relevant sein, ohne Themen oder Thesen zu bearbeiten, ohne sich deutlich auf die gesellschaftliche Realität zu beziehen? Kann sie sich zeitgemäß mit formalen Fragen, malerischen Prozessen, Materialien, mit sich selbst beschäftigen? Und wie kommen wir aus dieser Echokammer des frühen 21.Jahrhunderts heraus, in der der die Vergangenheit die Zukunft überschattet, in der die alten Melodien der Geschichte nachhallen, anstelle der Symphonien von morgen?
The Weather of Our Times präsentiert 15 Positionen aus dem Galerieprogramm und eigens Eingeladenen, deren Malerei auf unterschiedlichen Praktiken, Prozessen und Strategien basiert, die aber eint, dass sie an keine fixen Narrative angebunden sind. Im Vordergrund steht die Öffnung für Unsicherheit in der Malerei, die Fokussierung auf Prozess und Material, die Suche nach poetischen, hermetischen, Bildsprachen, die sich nicht vereinnahmen lassen wollen. Die Teilnehmer:innen beziehen sich auf Malereigeschichte, formulieren Bezüge zu Romantik, Moderne, Postmoderne, die aber immer wieder auch kritisch gebrochen werden. Das Spektrum reicht dabei von etablierten Positionen, die von Informel und Abstraktem Expressionismus inspiriert sind, bis hin zu jungen, digital geprägten Künstler:innen, die die Malerei um Performance, Installation und skulpturaler Praxis erweitern.
Oliver Koerner von Gustorf, 2025